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Lautstark TV Blog - Musik Blog. MP3 Downloads, Konzerte, Videos, News: Popmusik, das ungeliebte Kind des Schweizer Fernsehen

Popmusik, das ungeliebte Kind des Schweizer Fernsehen ::

Das Schweizer Fernsehen tut sich schwer mit Pop und Rock. Onlineoffensiven und ein neues Format können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im Leutschenbach vor allem an zwei Dingen mangelt: Herzblut und Eier.

Kürzlich erreichte mich eine kurze E-Mail aus dem Leutschenbach: “Nicht vergessen: Die Musicnight wird neu nicht mehr Samstagnacht, sondern in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ausgestrahlt.”
“In der Nacht von Donnerstag auf Freitag” heisst im Klartext, dass das einzige Gefäss mit aktueller Pop- und Rockmusik aus der Schweiz, die “Swiss Music Scene”, neu zu einem Zeitpunkt läuft, wo andere Sender wahlweise “Die schönsten Bahnstrecken Europas”, Wiederholungen von Talkshows mit randalierenden Hartz-IV-Empfängern oder das Testbild ausstrahlen. Die Verlegung der Sendung in die zuschauerschwachen Randstunden ist ein klares Signal der Fernsehbosse an die “Musicnight”-Macher, dass ihre Tage beim SF endgültig gezählt sein dürften. Dani Beck und sein Team sind trotz Engagement und Fachkompetenz im Leutschenbach seit längerer Zeit höchstens noch geduldet, aber nicht wirklich respektiert. Dabei ist die “Swiss Music Scene” die einzige TV-Sendung in der Schweiz, die jungen Schweizer Künstlern eine Plattform bietet.

Diese Episode ist typisch für den stiefmütterlichen Umgang des Schweizer Fernsehens mit aktueller Pop- und Rockmusik. Während etwa die Sparte “Volksmusik/Schlager” zu besten Sendezeiten mit Sendungen wie “Hopp dä Bäse”, “Musikantenstadl”, “GP der Volksmusik” sowie Auftritten von Künstlern in “SF bi de Lüt – Live” und Donnschtig-Jass” mehr als grosszügig abgedeckt wird, verweist man beim Schweizer Fernsehen im Bereich Pop/Rock gerne auf Onlineangebote wie MyStage:http://mystage.sf.tv und begnügt sich ansonsten mit dem absoluten Minimum. Redaktionelle Inhalte finden sich neben der “Swiss Music Scene” nur noch in einigen spärlichen, wenn auch sehr guten Beiträgen im “Kulturplatz”. Daneben beschränkt man sich beim Schweizer Fernsehen darauf, mehr oder weniger aktuelle Konzertmitschnitte auszustrahlen oder uns mit einer weiteren Staffel der “grössten Schweizer Hits” zu langweilen. Ein attraktives Angebot sieht definitiv anders aus. Doch beim Schweizer Fernsehen fehlt der Mut und die Leidenschaft, mit neuen, unkonventionellen Ideen an das Thema Pop und Rock heranzugehen.

Nun startet Mitte November mit viel Tamtam die neue Musiksendung Stars beim SF: “Dokumentarfilme und Porträts von bekannten Musikern, Sängern und Dirigenten der E- und U-Musik” verspricht uns die Vorschau, dazu einmal pro Monat “eine illustre Persönlichkeit aus dem Kulturleben” im Studio bei – nein, nicht Sven Epiney sondern – Sandra Studer.
Studers Leistungsausweis in Sachen Musik umfassen nicht nur ein paar Semester Musikwissenschaften an der Uni sowie Ballett-, Flamenco- und Klavierunterricht sondern vor allem die Präsentation von allerlei Grossanlässen für den Sender. In Sachen Pop und Rock hat Frau Studer bisher allerdings eher durch Wissenslücken und Berührungsängste geglänzt. An einem Rockkonzert habe ich Frau Studer im Gegensatz etwa zu den “Musicnight”-Machern noch nie angetroffen. Dafür sind mir ihre unqualifizierten Kommentare zur Hardrock-Band Lordi während des Eurovision Song Contests 2006 noch in bester Erinnerung.
Doch nicht nur diese Personalie dürfte unter Musikfans zu reden geben. Auch thematisch fristen Pop und Rock innerhalb der neuen Sendung einmal mehr ein Mauerblümchendasein. Von den sieben bereits bekannten Themen von “Stars” sind gerade mal zwei der Popmusik zuzuordnen. Neben einer zweifelsohne sehenswerten Doku über Patti Smith präsentiert uns das Schweizer Fernsehen auch eine Biographie über die Bee Gees aus dem Jahr 2001.
Ich bin gespannt, was bei den Fernsehmachern für längere Gesichter sorgen wird: Die Erkenntnis, dass man mit den Bee Gees heutzutage kaum Jugendliche oder junge Erwachsene vor den TV lockt oder der Umstand, dass man die Doku bereits seit Jahren bei Youtube anschauen kann.

2 Kommentare

  1. Es ist eine Schande wie unser Staatsfernsehen mit Schweizer Pop und Rockmusik umspringt. Ich dachte, es gäbe sowas wie einen Kulturauftrag?! Eine interessante diskussion zum Stellenwert der CH-Musik läuft derzeit drüben bei 78s.ch

  2. Was uns im Schweizer Fernsehen fehlt ist eine Sendung wie “Late show with David Letterman” oder “Friday Night with Jonathan Ross”, die einheimischen Künstlern wie Sophie Hunger, Bianca Story oder Fiona Daniel den Weg in den Mainstream ebnen.

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