Der Jahresrückblick 2008 ::
2008 neigt sich rasch dem Ende zu. Ein Rückblick auf ein Jahr mit vielen Trends, Hits und Flops, Auf- und Absteigern, und fünf Alben, die zu Unrecht in den Toplisten der Musikmagazine fehlen.
2008 war das Jahr der Frauen im Musikgeschäft. Superstar Madonna trat bei ihrer Welttournee vor über 2.3 Millionen Menschen auf und erzielte damit über 280 Millionen Dollar Umsatz. Bei ihrem Konzert in Dübendorf sorgte sie für einen neuen Schweizer Rekord mit 72’000 Zuschauern. Amy Winehouse (“Back in Black”) und Amy MacDonald (“This is the Life”) führten 2008 die Schweizer Albumcharts an. Unter den fünf meistverkauften Songs sind neben MacDonald mit Gabriella Cilmi, Leona Lewis und Duffy gleich vier Sängerinnen vertreten. Unter den Newcomern aus der Schweiz sorgte besonders Sophie Hunger mit ihrem Debütalbum “Monday’s Ghost” und beeindruckenden Liveauftritten für Aufsehen.
Auch in anderer Hinsicht haben Frauen uns dieses Jahr beschäftigt. Der tiefe Fall und die schrittweise Wiederauferstehung von Britney Spears, die Drogeneskapaden von Amy Winehouse und die Scheidung von Madonna waren die Gesprächsthemen der (Musik)Klatschpresse.
Ebenfalls viel Gerede gab es um “Chinese Democracy”. Das seit Jahren angekündigte und längst überfällige Album von Guns N’ Roses erschien im Herbst 2008. Doch selbst Heerscharen von Produzenten und ein 13-Millionen-Dollar-Budget konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier etwas fehlt: Zündende musikalische Ideen. Ebenso umstritten ist das neue Album der Killers: Noch nie klang Schlager so gut wie auf “Day and Age”. Und Rockmusik dermassen kitschig. Leise Enttäuschung auch nach der Veröffentlichung von Navels “Frozen Soul”. Die durch monatelange Propaganda geweckten Erwartungen konnte die Band nur teilweise erfüllen.
Apropos Propaganda: Spannend zu sehen, wie rasant sich Facebook in der Schweiz verbreitet. Auch wenn diese social community nicht in erster Linie für die Musikszene gedacht ist, eröffnen sich hier für Künstler neue Promo- und Marketingmöglichkeiten, die es im Auge zu behalten gilt. Nicht zuletzt, weil 2008 als Todesjahr des Musikfernsehens in Erinnerung bleiben wird. MTV und Viva haben längst auf eingekaufte US-Formate umgestellt. Im Herbst hat MTV dann auch noch “Urban” und Rockzone” zur Clipstrecke umgewandelt und bei “MTV News” den Stecker gezogen. Auch die beste Musiksendung der Schweiz, “Lautstark” von Star TV”, scheint vor dem Aus zu stehen. Die Verträge der Redaktion und des Moderationsteams laufen demnächst aus, die Zukunft der Sendung ist ungewiss. Dennoch ist der Videoclip keineswegs tot. Auf Youtube & Co. feiern die Filmchen eine Renaissance vor Millionenpublikum.
Einer der ganz grossen Trends 2008 waren Musikvideospiele wie “Guitar Hero” und “Rock Band”. Was als simples Karaokegame begonnen hatte, entwickelte sich zum Spielspass für den gesamten Freundeskreis. Fans spielen Melodien nach, kaufen zusätzliches Zubehör und befördern alte Rockhits dank iTunes-Downloads plötzlich zurück in die Charts. Bands wie Metallica oder Aerosmith ziehen mit und steuern exklusives Songmaterial speziell für die Spiele bei. Keine Frage, dass solche Videospiele in Zukunft zu einem wichtigen Markt für Künstler und Bands werden.
Ernüchterung dafür beim digitalen Musikverkauf. Eine neue Studie lässt Zweifel am viel zitierten Long Tail aufkommen. Demnach wird auch der digitale Musikmarkt von grossen Hits dominiert. 3% der verfügbaren Tiel sorgen für 80% des gesamten Umsatzes. Schlimmer noch: 80% aller verfügbaren Titel wurden überhaupt nie runtergeladen. Das sind nicht gerade ermutigende News für Künstler. Nichtsdestotrotz boomt der digitale Musikmarkt mit zweistelligen Zuwachsraten. Deshalb hat MySpace im September 2008 “MySpace Music” in den USA an den Start gebracht und auch bei Live Nation denkt man offenbar über einen eigenen digitalen Vertrieb nach.
Zurück zur Musik von 2008: Über MGMT, TV On The Radio, Santogold, Vampire Weekend, Bon Iver, Foals und Fleet Foxes wurde bereits alles Wichtige geschrieben und gesagt, deshalb brauche ich es nicht mehr zu tun. Stattdessen gibt es an dieser Stelle meine persönlichen Empfehlungen aus dem vergangenen Jahr.
Ólafur Arnalds – Variations of Static
Die EP des isländischen Multiinstrumentalisten, Produzenten und Hardcore-Drummers Ólafur Arnalds ist von schlichter Schönheit und überwältigender Erhabenheit.
Flying Lotus – Los Angeles
Steven Ellison aka Flying Lotus lotet auf “Los Angeles” die Grenzen von Electronica und Hiphop aus, mischt das Ganze mit Soul-, Rock- und Jazzelementen.
The Young Gods – Knock on Wood
Die jungen Götter für einmal unplugged: Schlichtwegs das Schweizer Album des Jahres.
This Will Destroy You – This will Destroy You
This Will Destroy You funktionieren mit Verzögerung. Der hypnotische Postrock entfaltet erst nach mehrmaligem Durchhören seine volle Wirkung. Dann aber umso heftiger.
Tranqualizer – Vampires in a Hurry
Was für eine grossartige Stimme. Tranqualizer machen aus Blut, Schweiss und Tränen Rockmusik. Ganz grosses Kino!
Was war noch? Neo-Soul (Amy, Duffy, Adele & Co.), Indie goes Worldbeat (Vampire Weekend, Foals …) immer noch Nu Rave (Crystal Castles , Late Of The Pier , Hadouken!), jede Menge Comebacks und ein paar Versprechen für 2009 wie zum Beispiel La Roux , Little Boots , White Lies , Detektivbyrån und Air France .
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